zurück

banner.gif (21156 Byte)

Wie lernt mein Kind zu schlafen???

Die nachfolgende Abhandlung basiert auf den Erkenntnissen meiner PEKiP-Kursleiterin Yvonne, die sich seit über 10 Jahren mit eben diesem Thema eingehend befasst hat:

Ein Baby ist im Alter von 5 - 6 Monate durchaus in der Lage, nachts durchzuschlafen. Es benötigt im Regelfall auch keine Mahlzeit in der Nacht. In diesem Alter leben die Kinder von "Zusammenhängen", das heißt, es begreift die Welt in Form von Zusammenhängen. Babys sollen lernen, alleine einzuschlafen,... egal in welchem Bett, jede Familie entscheidet für sich! Da jedes Kind (und jeder Mensch) in der Nacht mehrmals kurz aufwacht (das erste Mal ca. 30 Minuten nach dem Einschlafen!!!), checkt, ob alles in Ordnung ist (wohl noch ein Überbleibsel aus der Zeit der Höhlenmenschen ;-)) und dann wieder einschläft, ist es für Kinder, die an der Brust oder Flasche eng gekuschelt einschlafen und dann ins Bett gelegt werden eben nicht in Ordnung. Das was beim Einschlafen (vor 30 min.) da war, der Geruch der Mutter, die leckere warme Milch im Mund, das süße Gutenachtlied, ist dann weg und das Kind schlägt Alarm.

Und was jetzt passiert, ist ausschlaggebend!!! Das Kind jetzt aus dem Bett zu nehmen, herumzutragen, zu füttern oder zu stillen macht das Kind erst recht wach, jede Zelle signalisiert - Lageveränderung - und vor allem merkt sich das Kind den Zusammenhang - Aha, ich muss nur diesen bestimmten Schreiton anschlagen und Mama kommt und nimmt mich heraus - wie oft wohl???

Oftmals ist es so, dass ein Kind, das nachts aufwacht, nicht sofort schrill los weint (außer es hat Schmerzen oder ist krank), sondern vielleicht erst ein bisschen meckert. Reagiert man sofort auf das Meckern mit Herausnehmen, gerät man leicht in einen Teufelskreis. Es gilt vielmehr, das Kind im Bettchen zu beruhigen, ihm zu sagen, dass Mama in der Nähe ist und es jetzt mitten in der Nacht ist und geschlafen wird. Wichtig ist die eigene Entschlossenheit. Wenn man selbst unsicher ist, überträgt sich das auf das Kind und man wird keinen Erfolg haben. Sich selbst zu sagen - ich kann nicht mehr - reicht nicht aus, das ist noch zu wenig. Ein entschlossenes - Ich will nicht mehr - versetzt in die Lage, dem Kind das Schlafen beizubringen.
Die letzte Mahlzeit sollte im noch wachen Zustand erfolgen, damit das Kind nicht dabei einschläft und dann sollte das Kind wach ins Bett gelegt werden, damit es lernen kann, alleine einzuschlafen. Nur dann ist die Welt nachts auch in Ordnung, wenn es immer mal wieder kurz wach wird. Das "kontrollierte" Schreien lassen ist dabei natürlich auch so ein Thema. Vielen Eltern fällt es schwer, ihr Kind weinen zu lassen, vor allem, wenn es sich in Rage schreit. Da hilft nur viel Geduld und starke Nerven, um dem Kind zu zeigen, dass es eben auch anders geht. Das Kind kommt ohne das Wissen der Eltern auf die Welt, es kennt nur das, was wir ihm vorleben und zeigen. Woher soll es wissen, dass es alleine einschlafen kann, wenn wir ihm es nicht beibringen und zeigen.

Wichtig beim zu Bett bringen ist ein immer wiederkehrendes "Abendritual", damit sich das Kind den Zusammenhang merken kann. Wie das aussieht, bleibt jedem selbst überlassen, aber z.B. kann man das Kind frisch machen, Schlafanzug und Schlafsack anziehen, ein Gutenachtlied singen oder eine Geschichte vorlesen, Gutenachtkuss geben, "Gute Nacht, schlaf schön und träum was süßes - bis morgen früh", ins Bett legen, streicheln und die Spieluhr aufziehen. Anschließend das Zimmer verlassen und abwarten. Vielleicht klappt es auf Anhieb. Vielleicht fängt das Kind aber auch an zu meckern und zu weinen. Dann heißt es erstmal 2 Minuten abwarten, dann hingehen, das Kind im Bett beruhigen, ihm sagen dass jetzt Schlafenszeit ist und es jetzt schlafen muss und wieder gehen. Wieder abwarten, und ggf. nach 3, 5, 10 Minuten nochmals hingehen, wieder im Bett beruhigen und gehen. Das gleiche Prozedere wird nachts durchgezogen, wenn das Kind aufwachen sollte und wieder weint. Allerdings sollte man nicht erwarten, dass das Kind ruhig ist, wenn man sich umdreht um rauszugehen. Ein normal intelligentes Kind protestiert prompt. Also - man checkt ob alles in Ordnung ist, sagt dem Kind: es ist alles in Ordnung, ich bin mir sicher, dass du schon lernen kannst, alleine einzuschlafen, Mama ist da, Papa ist da und du kannst jetzt in Ruhe ;-))) einschlafen - und geht aus dem Zimmer, auch wenn das Kind protestiert (um nach einer gewissen Zeit wieder reinzugehen)
Vielleicht braucht es 1 - 3 Abende und Nächte, bis sich das Kind an den neuen Ablauf und die neuen Zusammenhänge gewöhnt hat, aber es wird das für die Zukunft akzeptieren. Das hat nichts mit "resignieren" zu tun, vielmehr hat man dem Kind den Weg eröffnet, selbst einzuschlafen und sich auch selbst zu beruhigen. Es weiß nun, dass es alleine einschlafen kann und dass Mama trotzdem in der Nähe ist und nach ihm schaut. Das Kind baut somit sein Urvertrauen zur Mutter und zum Vater auf, was es für seinen weiteren Lebensweg braucht.

Was macht man, wenn sich ein Teufelskreis schon eingeschlichen hat, wie unterbricht man ihn?
Die eigene Entschlossenheit, dass ab jetzt etwas geändert wird, ist eigentlich die Grundvoraussetzung. Dann sollte man schauen, wie das Kind die ganze Zeit eingeschlafen ist. Eng an einen gekuschelt, beim Stillen oder Flasche geben, beim Herumtragen auf der Schulter, hüpfend auf dem Pezziball, nur mit einem bestimmten Gutenachtlied etc. Dann gilt es, das Kind nach dem Zubettgehritual wach ins Bett zu legen, es zu streicheln und zu beruhigen, das Liedchen zu singen, es lieb anzuschauen ihm noch etwas die Enge vom Kuscheln zu geben, indem man noch ein wenig Körperkontakt zulässt.
Und dann, Abend für Abend, Nacht für Nacht werden die Reize reduziert. Der Körperkontakt wird weniger aber man singt, er fällt weg aber man singt, man streichelt nicht mehr aber man singt, es gibt keinen Augenkontakt mehr aber man singt, man steht nicht mehr neben dem Bett aber man singt, man singt nicht mehr sondern summt nur noch und dann sollten Mutter und Kind eigentlich aus dem Teufelskreis heraus sein.

Warum schläft mein Kind nicht mehr alleine ein, schläft nicht durch, wacht nachts auf und weint, es war doch vorher alles in Ordnung?
Hier muss man sich selbst ehrlich die Frage beantworten, was denn plötzlich anders war als vorher, was haben  Mama/Papa anders gemacht. Herausnehmen, rumtragen, füttern, wickeln - was auch immer. Und wenn man die Ursache gefunden hat und weiß, was falsch gelaufen ist, kann man das für die Zukunft wieder ändern. Vorerst gilt, wie oben beschrieben, dem Kind wieder beizubringen alleine einzuschlafen etc....

Allerdings - Ausnahmen bestätigen die Regel - ein krankes, fieberndes und auch ängstliches Kind darf natürlich zu Mama und Papa ins Bett (Anm.: mein Arzt sagt, ein krankes Kind gehört zu Mama und Papa ins Bett!), aber es soll nach überstandener Krankheit wieder in seinem Bett schlafen (wenn die Eltern das wünschen). Manche Kinder brauchen zwar 1 - 2 Abende als Übergangszeit, aber dann ist es wieder in Ordnung, wie es vorher war.

Copyright 2001 by _anja.gif (1467 Byte)